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Ein Tag in der Ausgabestelle Buntekuh

10.00 Uhr: In Buntekuh beginnt die Arbeit schon früh. Der Saal, in dem die Lebensmittel verteilt werden sollen, muss für die Verteilung vorbereitet werden. Es müssen mehrere Tische U-förmig aufgestellt und mit abwaschbaren Wachstuchdecken belegt werden. Das ist körperlich schwere Arbeit, weshalb hier vor allem Männer gebraucht werden. Es gibt noch mehr zu tun: Hinweisschilder, Infotafeln, Aschenbecher aufstellen, Absperrungen einrichten.

10.30 Uhr: Alle Helferinnen und Helfer sind an ihren Plätzen. Noch ist Zeit für ein Gespräch.

11.00 Uhr: Das erste Tafelfahrzeug trifft ein. Jetzt muss es schnell gehen, weil der Wagen anschließend seine Tour zu den Lieferanten beginnt. Die Kisten und Säcke aus dem Sprinter werden auf Rollwagen umgeladen und in den Saal gebracht. Jeder Helfer weiß, was zu tun ist.

Die Säcke mit Brot und Brötchen werden in große Drahtkörbe geschüttet. Die langen Schwarzbrote und die runden Landbrote werden geteilt, damit für jeden Kunden etwas da ist. Das Gebäck wird verteilt und in Beutel gepackt.

Die "Gemüseabteilung" richtet inzwischen das Obst, die Wurzeln, den Kohl, den Salat und die Tomaten her. Welke Blätter werden entfernt, das unansehnliche Grünzeug wird abgeschnitten. Den geübten Augen der Helferinnen entgeht nichts, so manche weiche Tomate und so mancher angefaulte Apfel wandert in die Abfalltonne. Obst und Gemüse werden nach Sorten sortiert, bei Bedarf auch eingetütet. Wenn diese Arbeiten beendet sind, sieht es auf den Tischen frisch und appetitlich aus, wie in einem Gemüseladen.

Andere Helferinnen kümmern sich um die Milchprodukte. Genauestens wird kontrolliert, ob das MHD eingehalten ist. Besonderes Augenmerk wird auf Mayonnaisen-Salate gelegt und auf andere Produkte, die Mayonnaise enthalten, damit niemand eine Magenverstimmung bekommt. Die gleiche Sorgfalt wird den (abgepackten) Fleisch- und Wurstwaren gewidmet; im Zweifel wird die Ware entsorgt.

12.00 Uhr: Das zweite Tafelfahrzeug kommt. Noch einmal beginnt die anstrengende Arbeit des Sortierens und des Umpackens. Jetzt ist Eile geboten, denn die Zeit läuft, um 12.30 Uhr soll mit der Ausgabe begonnen werden.

12.30 Uhr: Die Verteilung der Lebensmittel beginnt. Vor der Tür der Ausgabestelle warten schon seit einiger Zeit die Bedürftigen. Viele sind zeitig gekommen, sie nutzen die Wartezeit zu einem Gespräch. Jede Familie und jeder Alleinstehende hat eine Karte mit einer Nummer; 300 Nummern sind vergeben. Anhand der Nummer entscheidet sich, wer als erster eingelassen wird. Damit jeder die gleiche Chance hat, wird die "Startnummer" von Woche zu Woche geändert; heute beginnt die Ausgabe mit der Nummer 201. In einer vorbereiteten Liste wird vermerkt, wer in die Ausgabestelle gekommen ist, so dass die Tafel an jedem Ausgabetag einen Überblick über die Zahl der unterstützten Familien bzw. Einzelpersonen hat. Jede Familie und jede Einzelperson zahlt freiwillig 1 € als Unkostenbeitrag.

Dann geht es los.

Die Bedürftigen gehen hintereinander an den aufgebauten Tischen entlang. Sie sagen den Helferinnen und Helfern hinter den Tischen, wie viele Personen sie zu versorgen haben, und welche Ware sie wünschen. Manche zeigen - wegen fehlender Deutschkenntnisse - auch nur mit dem Finger auf die Ware. In den meisten Fällen kennen sich die Bedürftigen und die Helferinnen und Helfer schon seit langem. Mütter schieben ihren Kinderwagen vor sich her, der dann als Gepäck-Karre dient, andere haben große Taschen oder mehrere Plastiktüten bei sich, in die sie Getränke, Milch, Obst, Gemüse, Brot verstauen. Bisher hat die Warenmenge immer ausgereicht, auch an diesem Tag ziehen die Kunden mit vollen Taschen zufrieden von dannen. Heute waren es 156 Familien mit insgesamt 388 Personen.

15.00 Uhr: Die letzten Kunden verlassen die Ausgabestelle. Für die Helferinnen und Helfer beginnt nun das große Saubermachen: Der Saal muß ausgefegt, Küche und Toiletten müssen gereinigt werden. Die Tische werden in einer Ecke gestapelt. Ein Tafelfahrzeug kommt und holt die leeren Kisten und den Restmüll (Papier, Kartons) ab; Ware, die nicht verteilt werden konnte, wird zurück ins Lager der Tafel gebracht. Es wird später Nachmittag, bis diese Arbeiten erledigt sind. Erst jetzt können die Helferinnen und Helfer aufatmen und den Rücken strecken. Die Arbeit war zwar wieder anstrengend, hat aber auch Freude gebracht. Alles ist gut gelaufen.

 

Hier noch ein Erfahrungsbericht von einem Mitarbeiter des Fahrdienstes, der in der Ausgabestelle Buntekuh ausgeholfen hat:

Ich, Arno Voss, habe am 19.10.2012 mit einer Kollegin in der Ausgabestelle Buntekuh ab 10.20 ausgeholfen. Es fehlten 7 Helferinnen und Helfer, die normalerweise dort arbeiten, durch Krankheit.

Zuerst haben wir unter Anleitung einiger Helfer/innen, die zur „Stammbelegschaft“ gehören, die Kisten der bereits angelieferten Waren sortiert nach 4 Kriterien:

  • Brot und Backwaren
  • Joghurt und Milchprodukte; sowie Fleisch und Wurst
  • Gemüse
  • Obst

Zwischendurch hatten wir eine kleine Pause und konnten das bereitgestellte Essen (Brote mit leckerem Aufschnitt, Kaffee und Tee) genießen.

Später kam der große Sprinter zusammen mit dem kleinen Lieferwagen. Die Sammel- und Sortierarbeit begann erneut. Es ist eine schwere Arbeit. Ich war mit meinen Kräften fast am Ende. Gegen 12.00 rückten die ersten „Kunden“ den Helfern der Ausgabestelle Buntekuh auf die Pelle.

Wir haben die Ausgabestelle nach Kräften unterstützt. Manchmal kam ich mir vor wie ein Marktschreier, der auch Ware anbietet, die normalerweise nicht so gut läuft. Am Ende war fast alles weg. Meine Kollegin und ich waren froh, den Tag hinter uns gebracht zu haben. Ich bin der Meinung, dass jeder Fahrer und jeder Beifahrer so etwas einmal mitgemacht haben sollte.